Unterwegs mit Freunden

Mangelt’s dir an inn’rer Ruhe
Nichts vermag dich zu ergreifen
Leg die Senkel deiner Schuhe
flink in respektable Schleifen

Fühlst du dich, was niemand weeß,
eingerostet, müd’ und greis
Packe zügig dir dein Case
Und dreh herum die Butterflies

Ist dein Dasein dunkelgrau
und schmeckt nach alten Blumenvasen
Küss zum Abschied deine Frau
Und such das Glück auf Fernfahrtstraßen

He-ja-ho, Marsch Marsch, Zack Zack
Hose an, rauf auf den Truck!
He-ja-ho, knöpf zu die Bluse
Motor an und Gott zum Gruße!
(2x)

…meint ein altes Rodie-Lied, das wir mit glasigem Blick beim Biere anzustimmen pflegen. Es ist mal wieder soweit. Ich folge dem Ruf der Straße, erliege dem verhängnisvollen Zauber bunter Lichter in dunklen, gewölbigen Kellern und begebe mich als Arbeitsbienchen auf Konzertreise. Zu lang im geschlossenen Raum den Hintern auf dem Eiermann plattgesessen! Seht nur, die Haut am Oberarm – schlaff und leer, und erst der Rücken – krumm, und oh weh! die Wampe – linst frech über den Gürtel rüber. Schluss damit. Da kommt der Anruf eines alten Weggefährten gerade zur rechten Zeit. Hinaus also in die weite Welt, vom Horizont her riecht es verlockend nach Abenteuer. ‘Schö mit ö, bis Denver, bin dann mal weg. Diesmal übrigens mit meinen neuen Kumpels von The Undertones. Folgend wie gewohnt ein unvollständiges Zeugnis:

12.04.2012 – soweit die Füße tragen

Ich treffe meinen alten Kumpel Jeremy und meinen neuen Kumpel Barry in der Kreuziger Straße. Es ist schon fast alles gepackt, wir können direkt los, nur noch schnell eine Packung Kekse kaufen. Morgen holen wir die anderen irgendwo in Italien am Flughafen ab, heute fahren wir erstmal grob in diese Richtung. Mal sehen, wie weit wir kommen. Heißt konkret: Erstmal Nickerchen. Bis ungefähr Nürnberg, da ist das schöne Leben vorbei, nun sitz ich am Lenkrad. Irgendwo um München herum tauchen die Berge auf. Malerisch in zartes Abendrosa getaucht liegen sie hinten am Horizont herum. Abbiegen auf die A95, die ab sofort meine Lieblingsauotbahn ist. Das Gebirge: perfekt arrangiert am Wegesrand, dramatisch in den Himmel ragend, danke Plattentektonik.
Es wird immer düsterer und langsam bedrohlich, schließlich passieren wir den Brennerpass in absoluter Dunkelheit. Schade oder zum Glück: links und rechts der engen Straße, die der Lichtkegel mühsam der Finsternis entreißt, ist nichts zu sehen, noch zu erahnen. Im Fahrzeug ist es still geworden. Barry und ich teilen uns einen Mr. Tom.
Wir fahren in Bolzano ab und suchen eine Übernachtung, die wir im “Hotel Regina” direkt am Bahnhof schließlich finden. Überraschend ist das Zimmer sehr groß und dazu durchaus okay geschmackvoll eingerichtet. Das Badezimmer, das daran anschließt, ist sogar ein bisschen so wie in Futurama Benders Wandschrank. Kiek an.
Ein kleiner Abendspaziergang. Ähnlich wie im schönen Lande der Sorben ist auch hier alles zweisprachig ausgewiesen. Das vereinfacht einen vergleichenden Blick auf die Eigenheiten der Sprache. So heißt eines der Hotels am Wegesrand eben entweder schwungvoll Capello di Ferro oder eben kurz und knackig Eisenhut. Ihr versteht. Was unser eigentliches Anliegen betrifft, die Suche nach Nahrung, sind wir vom Pech verfolgt. Die Pizzeria soundso schließt laut Aushang zwei Minuten vor unserem Eintreffen (23:45), die Kneipe daneben bietet nur Knabbergebäck an, in der Kebabbude hinter dem unfassbar trostlosen Busbahnhof wird gerade der Fußboden gewischt. Dann eben ohne Abendbrot ins Bett. Nehmen wir es als vorweggreifende Bestrafung für eine Frechheit, die wir uns in den nächsten Tagen nun ohne Sorgen erlauben können.


So geht es ja immer los.

13.04.2012 – Bologna

Obwohl wir, um mal im Bilde zu bleiben, den Bus an der Goldelse von Bolzano abgestellt haben, ist er am nächsten Morgen immer noch dort. Ohne multa, ohne Kralle, ohne abbe Räder. Dann kann es ja losgehen. Zunächst geht es zum Flughafen in Treviso, der überraschend enttäuschend ist; bis der Bus tatsächlich davor anhält, habe ich das Gebäude gar nicht weiter beachtet und eher unter Gartenmarkt abgelegt. Die Arroganz der Großstadtheinis. Egal, Flughafen ist Flughafen und dieser hier entlässt meinen neuen Kumpel Paul durch seine Eingangstür. Weiter geht es nach Bologna, wo wir Micky, Billy und Damien einsacken, irgendwie kommt irgendwann auch noch John dazu.
Hotel und Club befinden sich in der gleichen Ecke der Stadt, ich vermute mal so ungefähr im Lichtenberg von Bologna. Jeremy und ich hauen erst einmal unser komplettes PD Taschengeld im Hotelrestaurant für Nudeln und Espresso auf den Kopf, dann verdientes Mittagschläfchen, dann Arbeit. Die geht schnell von der Hand, die Bühne ist ratzfatz aufgebaut, der Soundcheck vergeht wie im Fluge. Also wieder Freizeit. Ich vertrete mir die Beine und suche etwas zu essen. In der Pizza-Abholerei dann folgender Dialog: Tschiau. – Ah Senjore! Due ä caspatschi di sensa ala collonetta di fuglineo sannßa! Ludschio furamente della poskone aluro? – Äh, …? – ßi ßi, hehe, calamente du ne ßiprianunto celentano de felissimo! Hehe! – Äh… jepp! – Prego! Die Pizza ist jedenfalls umwerfend lecker.
Zurück im Club noch etwas Dröhnmusik und dann die eigentliche Arbeit. Die Band ist jedoch so unkompliziert, dass nichts zu tun ist, außer sich das komplette Konzert aus nächster Nähe anzusehen. Und das macht echt Spaß. Das äußerst bunt gemischte Publikum scheint der gleichen Ansicht zu sein. Für mich das Salz in der Suppe: Micky ist auf der Bühne so eine Art Mischung aus Matze Hielscher und Matze Hielschers Vater, John erinnert mich irgendwie ein bisschen an Thomas Dörschel und Damien hat etwas von Steve Albini an sich. Ist doch ne Bombenmischung, oder? Das werden sicher angenehme Tage sein.


Bolzano (Detail)


Pasta, Espresso, Kacken, Lockerlassen – alles beim alten in Bello Italio.


Alles Ronja in Bologna? Hier trifft sich die Scene.


Irgendwas mit “Hold you tight”. Gute Nummer, muss ich noch mal nachfragen.

14.04.2102 – Roma

Den irgendwann mal angedachten Stadtbummel kneife ich mir. Lieber noch mal umdrehen und dann Espressofrühstück. Auf nach Rom, die Stadt der Römer. Dort fahren wir natürlich erst fünf mal im Kreis, und das auch eher am Rande der Stadt. Hier in den trostlosen Ausfransungen Roms soll sich irgendwo das Hotel befinden. Da ist es dann auch, ist aber, um genau zu sein, ein großer, ausgefuchst angelegter Zeltplatz mit vielen knuffigen Bungalows und vornehm gekleideten älteren Damen, die kleine hässliche Hunde spazieren führen. Ich bin begeistert. Aber ganz ehrlich, das richtige ist das nicht. Die niedlichen kleinen Butzen sind arschkalt, ein bisschen feucht und muffig. Es herrscht Einigkeit: bei 15 bis 20 Grad mehr auf dem Thermometer wären alle dabei. Allein des Witzes wegen.
Also erstmal durch den Wahnsinn des römischen Verkehrs zum Club. Und kiek an, hier war ich schon mal. Dann ist alles wie immer: Ausladen, aufbauen, Soundcheck, Nahrungsaufnahme, rumsitzen, Konzert. Bester Moment für mich: im Pit tanzt der Veranstalter Pogo und wird vom eigenen Securitymann angepflaumt, er möge sich doch bitte ein bisschen zügeln und ordentlicher benehmen. Stark, beide nehmen ihren Job offensichtlich sehr ernst.
Dann einpacken, wie immer im Regen, und anschließend werden wir durch die engsten Gassen der Welt in dieser Stadt geführt. Ich muss den Bus ganz schön rumzirkeln und habe sicher Schweißflecken unter den Achseln. Mein Bruder sagt immer: wenns eng aussieht, isnoch n halber Meter. Der Autospiegel sagt: Objects in the mirror are closer than they appear. Na toll.
Dann endlich der rettende Hof eines dieser kleinen, romantischen italienischen Hotels. Und kiek an, hier war ich schon mal. Dann ist ja alles wie immer.


Roma (Detail)


Hätte was werden können.

15.04.2012 – Milano

Am Morgen Versöhnung. Sonnenlicht satt. Mein neuer Kumpel Billy und ich entdecken, dass wir mit dem Fahrradfahren ein gemeinsames Steckenpferd teilen. Kurzes Fachsimpeln. Dann ab in den Bus, wesentliche Stadtrundfahrt und auf geht es nach Milano.
Wir kommen recht spät an, in der Innenstadt ist autofreier Sonntag bis 18:00 Uhr, das macht alles ein bisschen hektisch. Na ja, obwohl, eigentlich gar nicht. Es geht unterm Strich nur etwas schneller. Diese Band ist einfach außerordentlich pflegeleicht. Nun nur noch schnell rumkrauchen und alles festkleben. Um die Öffnung im Bühnenboden, in der das Kabel der Stagebox verschwindet, krabbelt ein amtliches Häufchen aufgeregter Ameisen. Ist mir irgendwie sympathisch. Muss ich ja keinem sagen.
Zum Speisen begebe ich mich aus dem Haus. Wir befinden uns in Milanos Siegfriedstraße, die Gegend ist rau und runtergeballert, eine beulige alte Straßenbahn humpelt müde und mit funzeligem Licht über die dunkle Kreuzung, schattenhafte Gestalten huschen hier und da vorbei und vermeiden Blickkontakt. An touristischen Attraktionen und kulinarischen Möglichkeiten mangelt es hier ein wenig, man muss eine Weile um unwirtliche Ecken herum streichen. Ich stehe schließlich vor einer wirklich schicken Pizzeria mit Namen “Timeout 3″. Die ist aber bereits brechend voll – sicher aus gutem Grund. Außerdem steht kein einziges vertrautes Wort auf der im Aushang befindlichen Karte. Also entscheide ich mich für einen Besuch des Ristaurante Cinese “Tao 2″ ein Stück die Straße runter und wähle auf Nummer sicher gehend vom italienischen Teil der Karte die Spaghetti al pomodore, die unter einem riesigen Reliefbild der chinesischen Mauer zu verzehren das Schicksal mir gestattet. Schmeckt auch gar nicht schlecht. Kochen können sie ja, rülps. Später stellt sich trotzdem das beliebte Post-Asiarestaurant-Glutamatunterleibsgrummeln ein. Und die Pupse riechen wirklich schlimm.
Das Konzert ist super. Das Publikum ist heute außerordentlich jung und vorbildlich gekleidet. Wie: Zeichne mal den jungen Joey Ramone. Dann wie immer Abbau und Bus beladen im Regen. Es herrscht ausgelassene Stimmung im Fahrzeug, ohne Unterlass werden Witze von offenkundig enormer Witzigkeit vorgetragen. Ich verstehe absolut kein Wort, aber egal, ich lache trotzdem mit, es ist einfach zu komisch.


Als Beweis. Vorn: Jeremy, Billy, Paul, Dee. Hinten: Roma.


Milano (Detail)


Knallo di Korka in Milano.


Eher selten in der Zeitung: Bilder von Schlagzeugern.


Geht sowas von klar!

Wie es wohl weiter geht? Bald erfahrt Ihr mehr…

Froh zu sein bedarf es wenig

Einen pupsenden Zwiebacktag in der Küche zu verbringen, kann auch fetzen. Zum Beispiel mit der Beta Version des Eichhorn 3000. Das Lötzinn ist kaum getrocknet, da bringt er auch schon Freude ins Heim. Und wie!
Mehr in Kürze, diesmal wirklich!

So sieht das vorläufig aus:

Und so in etwa verhält sich das Ding:

Der Kreis stammt übrigens mehr oder weniger – mit ein, zwei knackigen und effektvollen Variationen – aus Nicolas Collins großartigem Buch “Handmade Electronic Music: The Art of Hardware Hacking”. Eine Empfehlung an alle, die gerne länger wach bleiben und ihre sozialen Kontakte zu vernachlässigen wünschen!