Vergessene Kulturtechniken: Abpausen

Identität ist ja nicht nur die Nummer auf dem Sozialversicherungsausweis und ein trainierter Körper, der einen trainierten Geist vor Regen schützt. Eine kleinere aber nicht ganz unwichtige Rolle spielt auch die Tradition des Kulturkreises, der einen gebiert oder an dessen staubiger Haltestelle am Highway des Lebens der beulige Berlinlinenbus des Schicksals einen aussteigen lässt. Doch geht so vieles davon verloren in den tosenden Fluten der Zeit, wenn nicht kleine Nussschalen wie diese bescheidene Seite hier dem Wellengang trotzten, wenn nicht alt und jung miteinander sich austauschen!

Heute wird darum von einer Kulturtechnik berichtet, die vom Antlitz unserer schönen Erde fast schon verschwunden ist: das Abpausen! Im Kern ist das in etwa das gleiche wie Steuerung-C, Steuerung-V, nur etwas langsamer, persönlicher, schrulliger und ja: liebenswerter. Das Abpausen ist Vervielfältigung auf Graswurzel-Level, ist im Grunde ein klassicher Transfer im Sneakernet. Abgepaust wurde immer dann, wenn beliebte Comic-Figuren, das Bandlogo der Suicidal Tendencies, ein Wholecar-Piece aus “Beat Street” oder Samantha Fox von einer x-beliebigen Vorlage (meist gedruckt) auf die Umschlag- oder Innenseiten des eigenen Hausaufgabenheftes übertragen werden sollten. War eben so.

Interesse bekommen? Es geht ganz einfach. Hier eine unkomplizierte Anleitung in wenigen Schritten.

Wir benötigen:
- Butterbrotpapier (gibt es in der Kaufhalle)
- einen Bleistifft (gibt es im Schreibwarenhandel), unbedingt ein Model mit weicher Mine wählen! Mindestens B, gerne 2B!! Keine Ahnung, was das bedeutet? Eltern fragen.
- evtl. Bunt- oder Filzstifte zum Ausmalen

Und natürlich wird eine Vorlage gebraucht! Einfach eines Eurer Lieblingsbilder auswählen. Gern sehr kontrastreich und nicht zu kompliziert für den Anfang.

Nun das Butterbrotpapier (die sog. “Pause”) auf die Vorlage legen. Es empfielt sich ein lichtstarker Hinter/Untergrund. Notfalls die Vorlage und das Butterbrotpapier, äh, die Pause bei Tageslicht ans Fenster drücken. Dann einfach mit dem Bleistift die Umrisse nachzeichnen. Es hat sich gezeigt, dass eine breite, abgerundete Mine in diesem Arbeitsschritt die besten Ergebnisse erziehlt.

Fertig? Das müsste jetzt ungefähr so aussehen:

Jetzt kommt ein Arbeitsschritt für Krümelkacker. Die Pause wenden und die durchscheinenden Umrisse von dieser Seite noch mal nachziehen. Das ist nötig, damit ganz am Ende das Bild nicht spiegelverkehrt ist. Wem das egal ist, der möge diesen Schritt überspringen.

Jetzt wird es ernst. Die Pause mit der eben bearbeiteten Seite nach unten auf das Zielmedium legen. Und nun mit großer Konzentration und Genauigkeit alle Linien noch einmal nachzeichnen. Hier kann auch ein gespitzter Bleistift benutzt werden. Wichtig ist, das die Pause nicht verrutscht!

Tief durchatmen. Die Pause langsam vom Zielmedium entfernen. Und? Erstaunlich, was? Das Ergebnis ist meist sehr überraschend!
Wenn die Faszination etwas nachlässt, nach Belieben mit Bunt- oder Filzstiften ausmalen und dann sieht das ganze ungefähr so aus: Klick.

Und jetzt Ihr. Probiert es aus, sagt es weiter!

Wer oder was bin ich?

Mal wieder Bock auf ein kleines Ratespiel? Diesmal von Interesse ist oben nebst Referenzobjekt abgebildete, putzige Entität, wo man jetze nicht so weiß. Was meint Ihr?
Macht mit, es lohnt sich: Wie immer winken attraktive Preise aus dem 1-Euro-Laden!

Was mir Freude bereitet