Kleiner, spröde-knotiger Was-mir-Freude-bereitet-Dreier zum Wiederwarmwerden

Neue Bücher

Hey Leute, die zurückliegende Funkstille war nicht umsonst: Es gibt neue Bücher! Legen wir gleich mal los.

Der Medusenkopf im Schnellkochtopf
Märchen, Sagen und Erzählungen aus aller Welt, zusammengedampft (!) auf das Wichtigste und kurz und knackig erzählt. Alles was man wissen muss ohne das ganze Geblubber. Großes Buch, wahrscheinlich A4 oder so, eine Geschichte pro Seite und auf der gegenüberliegenden Seite ein passendes Bild. Entweder eine schöne Illustration oder was zum Ausmalen. Mal sehen.

Pegelstände der Liebe in den Fluten der Leitenschaft
Was das nun sollte, kann sich der Autor auch nicht mehr erklären. Eigentlich der Versuch, auch mal was mit Wissenschaft zu machen und der Frage nachzugehen, wie viel echtes Gefühl denn nun tatsächlich so im Schnickischnacki zuhause ist. Driftet aber ziemlich schnell ganz gefährlich in Richtung fadenscheiniger Allgemeinplätze und Pausenhofesoterik ab und zerfranst dann vollkommen. Wirklich kein Vergnügen zu lesen und wurde zu Recht völlig zerrissen und verlacht. Ein echter Tiefpunkt. Allerdings sehr viele tolle Balken- und Kuchendiagramme in unterschiedlichen Farben.

Sehnsucht nach Maggi
Je nachdem, wie man will.

Dicke Frauen in dicken Autos
Bildband.

Eine Schaluppe legte an
Starker Titel, oder? Da muss man schlucken. Und überlegen. Zumindest kann man einigermaßen darauf bauen, dass wohl die meisten Leute unter 50 und grob südlich der Tangente Oldenburg-Parchim-Prenzlau zunächst Vatis Brockhaus aus dem Regal ziehen müssen. Und dann ist eigentlich alles möglich. Eine gut geschmierte Seemannsliedersammlung zum Beispiel.

Der Applaus Gottes
Das wurde auch Zeit: eine Autobiografie. Jedoch nicht chronologisch sondern so ganz sympathisch-chaotisch in scheinbar ungeordneten Episoden voller Esprit und frechem Witz (frech und witzig jeweils so, wie die Damen aus dem Teleshop das benutzen, um zum Beispiel auf besonders große Knöpfe aufmerksam zu machen). Es wird erzählt, wie ich im Ferienlager mal einen Zloty verschluckt habe. Oder wie ich im Abi in Deutsch eine 1 geschrieben habe, obwohl ich die Buddenbrooks gar nicht gelesen hatte. Oder wie ich als 12-jähriger in Gera im Warenhaus eine sehr große Packung Streichhölzer zum Kokeln erwerben konnte mit der Geschichte, mein Vater baue Schiffe daraus, habe sich aber ein Bein gebrochen und könne momentan nicht aus dem Haus gehen. Oder, um beim Thema zu bleiben, wie ich mal versuchte, ein Bon Bon anzuzünden und wie groß erst meine Augen und dann die Blase auf dem Handrücken wurde, dort, wo die flüssig gewordene Süßigkeit sich niederzulassen gedachte. Oder wie ich mal den Sportbeutel vergessen hatte und dann im Schlüppi mitmachen musste. Oder wie ich auf Klassenfahrt beim Abendbrot heimlich die Kappe vom Salzstreuer lockerte und ihn dann unbemerkt an seinen Platz auf dem Tisch zurückstellte. Oder wie im Kindergarten Sabine sich bei mir erkundigte, ob sie mir mal ihr da-unten zeigen solle, ich bejahte, mich selbst dann aber zum Glück nicht entblößen musste. Oder wie ich mal mit der Straßenbahn schwarz gefahren bin, indem ich nur so getan hatte, als würde ich die 10 Pfennig in die Box werfen, gleichzeitig den Hebel bediente, somit die Münzen meiner Vorgänger zum Klimpern brachte und mir auf diese Weise trotzdem einen Fahrschein erschlich ohne das Misstrauen der anderen Fahrgäste zu wecken (und die Sache nicht aufflog!). Oder wie ich im Schrebergarten mal den Wasserschlauch zusammenkniff als mein großer Bruder gerade den Rasen sprengte. Und so weiter und so fort. Das ganze mit vielen tollen Fotos, packenden Hintergrundinfos und zahlreichen Kommentaren von Familie, Freunden und einigen mäßig prominenten Personen, die der Verlag noch mit drin haben wollte.