Nachtrag 2014 (mit Internet)

—– Lieblingsalben —–


Blonde Redhead – Barragán


Meshuggah – The Ophidian Trek


The/Das – Freezer


Warpaint – Warpaint

—– Lieblingslieder —–
Ava Luna – PRPL
The Bad Plus – I Hear You
Blonde Redhead – Lady M
Dad Rocks! – Managed
Einar Stray Orchestra – Honey
Hundred Waters – Out Alee
Jan Roth – Schnuppe
Larytta – Osamba Obama
Lusine – Eyes Give In
Meshuggah – Dancers To A Discordant System (Live)
Michał Biela – One Summer Night
Ought – Habit
The/Das – Reciever
Wander – Big Secrets
Zelf – Turnings

—– Lieblingsvideos —–

Reklame: U*N*S – Gegengift

Wozu hat man Freunde, wa?

Nachtrag 2013 (mit Hyperlinks!!)

—– Lieblingsalben —–


Dawn Of MidiDysnomia


Jan RothL.O.W.


These New PuritansFields Of Reeds


Trio Schmetterling – Globus


VulfpeckMy First Car / Vollmilch

—– Lieblingslieder —–

Alaclair Ensemble – Snare Drum
The Claudia Quintett – September 20th: Soterius Lakshmi
Hejira – Pinter
Jon Hopkins – Open Eye Signal
Me And My Drummer – Heavy Weight (Freedarich Remix)
Meshuggah – Pitch Black
Petula – Junisechs
Talk In Colour – Rolling
The/Das – It’s True / Akimbo
These New Puritans – Fragment Two / V (Island Song)
Trio Schmetterling – Siebenundzwanzig
Unmap – Purify
UNS / Jan Driver – Dozer / Gefallen
Vulfpeck – My First Car
Zelf – Sidelights

—– Lieblingsvideos —–

—– Lieblingsband —– (mit extragroßem Videofeature)

Und zum Abschluss was fürs Herz:

Interessante Speisen aus anderen Gegenden

Burger “Bremer Stadtmusikanten”
Mit Eselsalami, Hot Dog, Ketwurst, Hähnchenschnitzel.
Guten Appetit.

Nachricht an Uwe

aus lauter Langeweile: was mir Freude bereitet

Was mir Freude bereitet

Und noch mehr Vergangenheit

Bei Schommsen gibt es seit neuestem einige Bilder vom schönen Auftritt der Jn Fischer Erf auf dem Jenseits Von Millionen Festival in Friedland 2009. Ach ja…

Unterwegs mit Freunden

Vor den nächsten Schritten erst einmal die Nacharbeitung der Vergangenheit. Folgendes war schon so gut wie fertig, als sich für uns so vieles änderte. Die Leichtigkeit war verloren gegangen, mit ihr Bock auf Ulk und Hokuspokus. Doch gestatten wir uns nun den Blick durch das Hinten nach Vorne: Hier der noch offene zweite Teil des Reiseberichtes.

16.04.2012 – Konschtanz

Ein leerer Akku im Mobiltelefon entscheidet: heute wird das Frühstück mal wieder verschlafen. Ist egal, ein doppelter Espresso in der Lobby genügt vollkommen, man muss ihn nur zünftig schmauen. Dann wieder rauf auf die Piste. Zum ersten mal auf dieser Reise sitze ich im hinteren Teil des Fahrzeugs. Komplett jeglicher Verantwortung enthoben, lässt es sich vergnüglich aus dem Fenster kieken. Zu sehen unter anderem: hübsch zurecht geschnittene Bäume, eine walzende Walze, ein Pferd, das ein anderes Pferd anstarrt, ein LKW mit blinkendem Blinker, ein in einer schwungvollen Drehbwegung Sand transportierender Bagger, ein würdevoll am Himmel schwebender Greif, ein traumhaft unten im Tal liegender See, ein Güterzug bei Einfahrt in einen ins Massiv geschlagenen Tunnel, in Formation fliegende Düsenjets (echt!), eine winkende Bäuerin, eine verschwörerisch zwinkernde Ziege, ein alter Mann mit Zauberhut, er sagt mit Barrys Stimme: Guys, passports, please. Muss eingeschlafen sein. Willkommen in der Schweiz. Aber warte mal, Passports an der Grenze zur Schweiz? Wollt schon sagen! Ein letztes Mal jedenfalls original italienische Nudeln mit original italienischer Tomatensauce in einem original italienischen Nudeletablissement mit Blick auf die original italienische Autobahn. Der Abschied ist verhältnismäßig abschiedmäßig.
Für die Schweiz heute jedoch keine Zeit, wir sind nur auf der Durchreise. Direkt hinter der nächsten Grenze übergeben wir Dee einigen seiner alten Freunde und suchen dann unsere Bleibe für die nächsten zwei Tage auf. Von dort schaffen wir mit Mühe und Not den Fußweg von ungefähr einer Minute in ein Restaurant, dessen Name mir inzwischen entfallen ist. Bonanza. Oder Caramba oder so. Es bietet vorwiegend Fleischgerichte unvorstellbarer Größe aus aller Herren Länder. Mit Hilfe einer zu üppig geratenen Portion Sättigungsbeilagen und einem großen Glas alkoholfreiem Weizen gelingt es gerade so, sich unter dem Argwohn der Bedienung wegzuducken. Rülps.
Anschließend Nachtruhe.


Wo Italiener und Schweizer sich Gute Nacht sagen

17.04.2012 – nach wie vor ebenda

Schönster Postkartensonnenschein über Konstanz. 1A-Gelegenheit für einen Stadtbummel. Beim Frühstück treffe ich Billy, vor dem ich immer noch etwas Angst habe. Er fragt nach meinen Plänen für den heutigen Tag, aha, und ob wir dann nicht zusammen in die Stadt wöllten. Ui, na klar, dann lernen wir uns jetzt mal richtig kennen, Freundchen. Also ein schöner Spaziergang zum Ufer des Bodensees und durch das niedliche Stadtzentrum, auf dem wir uns gegenseitig von unseren verschnörkelten Lebenswegen berichten, außerdem die Kirche aufsuchen, verschiedenes Kunsthandwerk bestaunen, Zahnpasta kaufen und schließlich auf irgendeinem der malerischen Plätze ein Käffchen genießen. Richtig schade, dass ich irgendwann zurück ins Hotel muss; Skypeverabredung mit dem Gruse, die Geschäfte!
Nach anschließender Döserei und zügiger Körperpflege geh ich noch mal los, um unsortiert ein wenig in meiner eigenen Vergangenheit in dieser Stadt und konkret ein wenig im Second Hand – Plattenladen zu stöbern. Ich bin knapp davor, etwas von Toto (natürlich wegen “Rosanna” und “Africa”), Fleetwood Mac (natürlich wegen “Dreams”) oder den Bee Gees (natürlich wegen dieser einen Nummer hier, wie hieß sie gleich…) zu erwerben, kann mich aber am Ende nicht so recht durchringen. Der angestachelte Konsumwunsch will aber trotzdem befriedigt werden, daher dann kurz vor Ladenschluss einfach die sichere Variante: eine fetzige Scheibe von Barry White ihm sein Love Unlimited Orchestra. Für anspruchsvolle Schmusende. Funzt immer.


v.l.n.r.: Konstanz, Sonne, Rhein, Konstanz


Carpe Diem, Alter, das Leben bei den Eiern packen!

18.04.2012 – Winterthur

Winterthur, zumindest der Teil, den wir zu Gesicht bekommen, überrascht vor allem mit bemerkenswerter Trostlosigkeit. Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen soll. Alles scheint grau, viereckig und aus Beton zu sein. Wahlweise aus den späten Sechzigern. Vielleicht liegt es auch einfach am Wetter. Lieber also schnelle Flucht ins Nickerchen im viereckigen Betonhotel. Dann zum Veranstaltungsort. Dort dann alles wie immer nach Protokoll.
Das Publikum an diesem Abend ist mit Abstand das im Durchschnitt älteste und – ja, so deutlich muss man sein – orkigste, roheste, verranzteste und mit den schlechtesten Manieren versehene auf der ganzen Reise. Überall wird unnötig gerempelt und gemuffelt und gebrüllt. In der ersten Reihe zum Beispiel behindert ein rasant immer tiefer in seine Betrunkenheit sinkender Blödmann seine Freundin mit häßlichem Benehmen so ausdauernd daran, auch nur eine Minute des Konzertes verfolgen zu können, dass ich mich frage, (warum sie ihn nicht endlich zum Teufel jagt und) ob ich ihm im Wirrwarr des wilden Flackerlichtes nicht einfach mal eine auf den Zinken boxen sollte. Oha, Gewaltfantasien beim Autor, man mag das Ausmaß daran ermessen… Es scheint jedenfalls, als hätten sich alle zwielichtigen Elemente der Umgebung im Schutze der Dunkelheit aus der Vergangenheit erhoben, um sich aufdringlich unter die Anwesenden zu mischen, grimmig aber ohne Euphorie ihren Pogo auszuüben und so ganz allgemein möglichst viel Bier auf Böden und Personen zu gießen. Am Ende liegt fingerdick eine unerfreuliche Mischung aus Getränken und Ausdünstungen im Raum und die Luft ist erfüllt von Stress. Ist es in den Achtzigern immer so oll gewesen, frage ich meine altvorderen Freunde. Ja, seufzen sie, schlimm.
Immerhin ein Lichtstrahl: mein alter Kumpel Thorsten Polomski steht plötzlich im Saal. Verrückt. Mit seiner damaligen Band Morph hatten wir einen schicksalhaften Abend drüben in Konstanz. Gibts ja gar nicht! Was ihn hierher verschlagen hat? Das Leben. Und die Liebe. Irre.


Wintherthur


Schweiz (Detail) [kann man den noch bringen?]

19.04.2012 München

Ich bin so müde, wie noch nie ein Mensch müde war. Der Tag zieht vorbei wie in Watte gepackt und viel ist nicht hängen geblieben. Ich versuche vergeblich, ein paar Flaschen Johannesbeerschorle aufzutreiben. Und das Konzert ist wirklich super.
Muss. Schlafen.


Die Stimmung wie immer am Siedepunkt: “The Undertones in Munschen”

20.04.2012 Wien

In Wien angekommen lege ich mich mit geöffnetem Mund unter den geöffneten Makava-Hahn. Kurze Unterbrechungen nur für: Dringendpullernmüssen (zwangsläufig), Soundcheck, Essen, Konzert. Ansonsten letzter Abend mit meinen Freunden. Das sonst so sinnlose Sich-Festsitzen im Backstage bekommt eine kräftige melancholische Färbung. Trotzdem reiße ich mich irgendwann los und folge Antje, einer guten Freundin aus einer Zeit, als unsere kleine Band noch Evelyns Pørk hieß, und ihrem Freund auf die Geburtstagsparty eines Freundes von ihnen. Jeremy hat ein bisschen Angst um mich, es geht nämlich in eine gay bar, da hat er sich ein bisschen. Wir tanzen jedenfalls ein wenig zu trashiger Musik im ausgelassenen Pulk, trinken noch eine Limo und dann muss ich aber leider auch los, weil der kleine Zeiger auf der Uhr fast schon wieder in aufsteigender Richtung unterwegs ist. Schade. Aber das ist das Los der fahrenden Gilde.


Wien (Detail)


Wien, Chelsea: multimediales Feuerwerk für die billigen Plätze

21.04. nach Hause

Gefühlte zwei Minuten nach dem Hinlegen klingelt der Wecker. Wir bringen die Band zum Flughafen und fahren zurück nach Berlin, wie wir losfuhren. Unterwegs dann alles wie immer. An der immer gleichen Stelle in Prag verfahren, im gleichen Wohngebiet in der gleichen Sackgasse gewendet. Irgendwann später riesiger Hunger, dann reudiges Essen an einem reudigen Autohof und der typische Ferienlager-ist-vorbei-nächste-Woche-ist-wieder-Schule-Blues. Irgendwann Dresden und bleierne Müdigkeit. Irgendwann zu Hause. Zum Glück muss ich nicht noch den Bus wegbringen.
Ansonsten danke für die tollen Tage. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder. Ach ja, wir sehen uns bald wieder! We play in Berlin soon. With.. what was that band’s name? The Örztey or something. Ah…, cooool!


Autobahn (Symbolbild)

Unterwegs mit Freunden

Mangelt’s dir an inn’rer Ruhe
Nichts vermag dich zu ergreifen
Leg die Senkel deiner Schuhe
flink in respektable Schleifen

Fühlst du dich, was niemand weeß,
eingerostet, müd’ und greis
Packe zügig dir dein Case
Und dreh herum die Butterflies

Ist dein Dasein dunkelgrau
und schmeckt nach alten Blumenvasen
Küss zum Abschied deine Frau
Und such das Glück auf Fernfahrtstraßen

He-ja-ho, Marsch Marsch, Zack Zack
Hose an, rauf auf den Truck!
He-ja-ho, knöpf zu die Bluse
Motor an und Gott zum Gruße!
(2x)

…meint ein altes Rodie-Lied, das wir mit glasigem Blick beim Biere anzustimmen pflegen. Es ist mal wieder soweit. Ich folge dem Ruf der Straße, erliege dem verhängnisvollen Zauber bunter Lichter in dunklen, gewölbigen Kellern und begebe mich als Arbeitsbienchen auf Konzertreise. Zu lang im geschlossenen Raum den Hintern auf dem Eiermann plattgesessen! Seht nur, die Haut am Oberarm – schlaff und leer, und erst der Rücken – krumm, und oh weh! die Wampe – linst frech über den Gürtel rüber. Schluss damit. Da kommt der Anruf eines alten Weggefährten gerade zur rechten Zeit. Hinaus also in die weite Welt, vom Horizont her riecht es verlockend nach Abenteuer. ‘Schö mit ö, bis Denver, bin dann mal weg. Diesmal übrigens mit meinen neuen Kumpels von The Undertones. Folgend wie gewohnt ein unvollständiges Zeugnis:

12.04.2012 – soweit die Füße tragen

Ich treffe meinen alten Kumpel Jeremy und meinen neuen Kumpel Barry in der Kreuziger Straße. Es ist schon fast alles gepackt, wir können direkt los, nur noch schnell eine Packung Kekse kaufen. Morgen holen wir die anderen irgendwo in Italien am Flughafen ab, heute fahren wir erstmal grob in diese Richtung. Mal sehen, wie weit wir kommen. Heißt konkret: Erstmal Nickerchen. Bis ungefähr Nürnberg, da ist das schöne Leben vorbei, nun sitz ich am Lenkrad. Irgendwo um München herum tauchen die Berge auf. Malerisch in zartes Abendrosa getaucht liegen sie hinten am Horizont herum. Abbiegen auf die A95, die ab sofort meine Lieblingsauotbahn ist. Das Gebirge: perfekt arrangiert am Wegesrand, dramatisch in den Himmel ragend, danke Plattentektonik.
Es wird immer düsterer und langsam bedrohlich, schließlich passieren wir den Brennerpass in absoluter Dunkelheit. Schade oder zum Glück: links und rechts der engen Straße, die der Lichtkegel mühsam der Finsternis entreißt, ist nichts zu sehen, noch zu erahnen. Im Fahrzeug ist es still geworden. Barry und ich teilen uns einen Mr. Tom.
Wir fahren in Bolzano ab und suchen eine Übernachtung, die wir im “Hotel Regina” direkt am Bahnhof schließlich finden. Überraschend ist das Zimmer sehr groß und dazu durchaus okay geschmackvoll eingerichtet. Das Badezimmer, das daran anschließt, ist sogar ein bisschen so wie in Futurama Benders Wandschrank. Kiek an.
Ein kleiner Abendspaziergang. Ähnlich wie im schönen Lande der Sorben ist auch hier alles zweisprachig ausgewiesen. Das vereinfacht einen vergleichenden Blick auf die Eigenheiten der Sprache. So heißt eines der Hotels am Wegesrand eben entweder schwungvoll Capello di Ferro oder eben kurz und knackig Eisenhut. Ihr versteht. Was unser eigentliches Anliegen betrifft, die Suche nach Nahrung, sind wir vom Pech verfolgt. Die Pizzeria soundso schließt laut Aushang zwei Minuten vor unserem Eintreffen (23:45), die Kneipe daneben bietet nur Knabbergebäck an, in der Kebabbude hinter dem unfassbar trostlosen Busbahnhof wird gerade der Fußboden gewischt. Dann eben ohne Abendbrot ins Bett. Nehmen wir es als vorweggreifende Bestrafung für eine Frechheit, die wir uns in den nächsten Tagen nun ohne Sorgen erlauben können.


So geht es ja immer los.

13.04.2012 – Bologna

Obwohl wir, um mal im Bilde zu bleiben, den Bus an der Goldelse von Bolzano abgestellt haben, ist er am nächsten Morgen immer noch dort. Ohne multa, ohne Kralle, ohne abbe Räder. Dann kann es ja losgehen. Zunächst geht es zum Flughafen in Treviso, der überraschend enttäuschend ist; bis der Bus tatsächlich davor anhält, habe ich das Gebäude gar nicht weiter beachtet und eher unter Gartenmarkt abgelegt. Die Arroganz der Großstadtheinis. Egal, Flughafen ist Flughafen und dieser hier entlässt meinen neuen Kumpel Paul durch seine Eingangstür. Weiter geht es nach Bologna, wo wir Micky, Billy und Damien einsacken, irgendwie kommt irgendwann auch noch John dazu.
Hotel und Club befinden sich in der gleichen Ecke der Stadt, ich vermute mal so ungefähr im Lichtenberg von Bologna. Jeremy und ich hauen erst einmal unser komplettes PD Taschengeld im Hotelrestaurant für Nudeln und Espresso auf den Kopf, dann verdientes Mittagschläfchen, dann Arbeit. Die geht schnell von der Hand, die Bühne ist ratzfatz aufgebaut, der Soundcheck vergeht wie im Fluge. Also wieder Freizeit. Ich vertrete mir die Beine und suche etwas zu essen. In der Pizza-Abholerei dann folgender Dialog: Tschiau. – Ah Senjore! Due ä caspatschi di sensa ala collonetta di fuglineo sannßa! Ludschio furamente della poskone aluro? – Äh, …? – ßi ßi, hehe, calamente du ne ßiprianunto celentano de felissimo! Hehe! – Äh… jepp! – Prego! Die Pizza ist jedenfalls umwerfend lecker.
Zurück im Club noch etwas Dröhnmusik und dann die eigentliche Arbeit. Die Band ist jedoch so unkompliziert, dass nichts zu tun ist, außer sich das komplette Konzert aus nächster Nähe anzusehen. Und das macht echt Spaß. Das äußerst bunt gemischte Publikum scheint der gleichen Ansicht zu sein. Für mich das Salz in der Suppe: Micky ist auf der Bühne so eine Art Mischung aus Matze Hielscher und Matze Hielschers Vater, John erinnert mich irgendwie ein bisschen an Thomas Dörschel und Damien hat etwas von Steve Albini an sich. Ist doch ne Bombenmischung, oder? Das werden sicher angenehme Tage sein.


Bolzano (Detail)


Pasta, Espresso, Kacken, Lockerlassen – alles beim alten in Bello Italio.


Alles Ronja in Bologna? Hier trifft sich die Scene.


Irgendwas mit “Hold you tight”. Gute Nummer, muss ich noch mal nachfragen.

14.04.2102 – Roma

Den irgendwann mal angedachten Stadtbummel kneife ich mir. Lieber noch mal umdrehen und dann Espressofrühstück. Auf nach Rom, die Stadt der Römer. Dort fahren wir natürlich erst fünf mal im Kreis, und das auch eher am Rande der Stadt. Hier in den trostlosen Ausfransungen Roms soll sich irgendwo das Hotel befinden. Da ist es dann auch, ist aber, um genau zu sein, ein großer, ausgefuchst angelegter Zeltplatz mit vielen knuffigen Bungalows und vornehm gekleideten älteren Damen, die kleine hässliche Hunde spazieren führen. Ich bin begeistert. Aber ganz ehrlich, das richtige ist das nicht. Die niedlichen kleinen Butzen sind arschkalt, ein bisschen feucht und muffig. Es herrscht Einigkeit: bei 15 bis 20 Grad mehr auf dem Thermometer wären alle dabei. Allein des Witzes wegen.
Also erstmal durch den Wahnsinn des römischen Verkehrs zum Club. Und kiek an, hier war ich schon mal. Dann ist alles wie immer: Ausladen, aufbauen, Soundcheck, Nahrungsaufnahme, rumsitzen, Konzert. Bester Moment für mich: im Pit tanzt der Veranstalter Pogo und wird vom eigenen Securitymann angepflaumt, er möge sich doch bitte ein bisschen zügeln und ordentlicher benehmen. Stark, beide nehmen ihren Job offensichtlich sehr ernst.
Dann einpacken, wie immer im Regen, und anschließend werden wir durch die engsten Gassen der Welt in dieser Stadt geführt. Ich muss den Bus ganz schön rumzirkeln und habe sicher Schweißflecken unter den Achseln. Mein Bruder sagt immer: wenns eng aussieht, isnoch n halber Meter. Der Autospiegel sagt: Objects in the mirror are closer than they appear. Na toll.
Dann endlich der rettende Hof eines dieser kleinen, romantischen italienischen Hotels. Und kiek an, hier war ich schon mal. Dann ist ja alles wie immer.


Roma (Detail)


Hätte was werden können.

15.04.2012 – Milano

Am Morgen Versöhnung. Sonnenlicht satt. Mein neuer Kumpel Billy und ich entdecken, dass wir mit dem Fahrradfahren ein gemeinsames Steckenpferd teilen. Kurzes Fachsimpeln. Dann ab in den Bus, wesentliche Stadtrundfahrt und auf geht es nach Milano.
Wir kommen recht spät an, in der Innenstadt ist autofreier Sonntag bis 18:00 Uhr, das macht alles ein bisschen hektisch. Na ja, obwohl, eigentlich gar nicht. Es geht unterm Strich nur etwas schneller. Diese Band ist einfach außerordentlich pflegeleicht. Nun nur noch schnell rumkrauchen und alles festkleben. Um die Öffnung im Bühnenboden, in der das Kabel der Stagebox verschwindet, krabbelt ein amtliches Häufchen aufgeregter Ameisen. Ist mir irgendwie sympathisch. Muss ich ja keinem sagen.
Zum Speisen begebe ich mich aus dem Haus. Wir befinden uns in Milanos Siegfriedstraße, die Gegend ist rau und runtergeballert, eine beulige alte Straßenbahn humpelt müde und mit funzeligem Licht über die dunkle Kreuzung, schattenhafte Gestalten huschen hier und da vorbei und vermeiden Blickkontakt. An touristischen Attraktionen und kulinarischen Möglichkeiten mangelt es hier ein wenig, man muss eine Weile um unwirtliche Ecken herum streichen. Ich stehe schließlich vor einer wirklich schicken Pizzeria mit Namen “Timeout 3″. Die ist aber bereits brechend voll – sicher aus gutem Grund. Außerdem steht kein einziges vertrautes Wort auf der im Aushang befindlichen Karte. Also entscheide ich mich für einen Besuch des Ristaurante Cinese “Tao 2″ ein Stück die Straße runter und wähle auf Nummer sicher gehend vom italienischen Teil der Karte die Spaghetti al pomodore, die unter einem riesigen Reliefbild der chinesischen Mauer zu verzehren das Schicksal mir gestattet. Schmeckt auch gar nicht schlecht. Kochen können sie ja, rülps. Später stellt sich trotzdem das beliebte Post-Asiarestaurant-Glutamatunterleibsgrummeln ein. Und die Pupse riechen wirklich schlimm.
Das Konzert ist super. Das Publikum ist heute außerordentlich jung und vorbildlich gekleidet. Wie: Zeichne mal den jungen Joey Ramone. Dann wie immer Abbau und Bus beladen im Regen. Es herrscht ausgelassene Stimmung im Fahrzeug, ohne Unterlass werden Witze von offenkundig enormer Witzigkeit vorgetragen. Ich verstehe absolut kein Wort, aber egal, ich lache trotzdem mit, es ist einfach zu komisch.


Als Beweis. Vorn: Jeremy, Billy, Paul, Dee. Hinten: Roma.


Milano (Detail)


Knallo di Korka in Milano.


Eher selten in der Zeitung: Bilder von Schlagzeugern.


Geht sowas von klar!

Wie es wohl weiter geht? Bald erfahrt Ihr mehr…